Die große Mehrheit der Bürger lehnt die Zulassung von Riesen- LKW ab.
Infrastruktur
Die Infrastruktur - Straßen, Brücken, Tunnel, Leitplanken - ist dem Einsatz von überlangen und überschweren LKW nicht gewachsen. Die Folge sind Sicherheitsrisiken, die eine milliardenschwere Umrüstung des Straßennetzes für Monstertrucks erfordern. Die Kosten trägt der Steuerzahler. Nach dem Motto: Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren.
Riesen-LKW sind nicht nur ein Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr, sie kommen die Allgemeinheit auch teuer zu stehen. Den Ausbau der Straßeninfrastruktur für Riesen-LKW müssten die Steuerzahler finanzieren. Nicht nur die Fahrbahnen, auch Brücken, Tunnel und Rastplätze gehören zur Straßeninfrastruktur und müssten mit gigantischem Aufwand angepasst werden.
Nicht zuletzt werden Gigaliner den Verschleiß der Straßen beschleunigen und die Reparaturkosten in die Höhe treiben. Dabei wird die Instandhaltung der Straßen schon heute aus Geldmangel vernachlässigt, trotz zum Teil schwerwiegender Straßenschäden. Verantwortlich für die Schäden ist in erster Linie der Schwerverkehr, denn schwere Lkw verursachen überproportional starke Straßenschäden. Zum Vergleich: Ein 40-Tonner belastet die Straßen wie 160.000 PKW.
Brücken werden am stärksten in Mitleidenschaft gezogen, wenn Gigaliner zum Einsatz kommen. Die Infrastrukturkosten, die allein für die dringendsten Baumaßnahmen an deutschen Brücken für LKW über 40 Tonnen entstehen, schätzt das Bundesverkehrsministerium auf bis zu 8 Milliarden Euro. Aus anderen Ländern liegen noch keine Kostenschätzungen vor. Besonders in Osteuropa dürften die Kosten jedoch noch um ein Vielfaches höher liegen.
Im Hinblick auf die Belastbarkeit von Brücken muss davon ausgegangen werden, dass beim Einsatz von überschweren Fahrzeugen „über den Bemessungswerten liegende Beanspruchungen auftreten können“, so die deutsche Bundesanstalt für Straßemwesen. Im Klartext heißt das, dass Monstertrucks die Lebensdauer der Brücken reduzieren. Nicht wenige Brücken würden unter der Last eines Gigaliner kräftig ächzen, mit unabsehbaren Folgen für die Bauwerke. Das kostet nicht nur Steuergelder, sondern ist auch eine Gefahr. Denn auf einer Brücke zählt auch jedes Fahrzeug davor oder dahinter und im Gegenverkehr. Zwei Monstertrucks, die sich auf einer Brücke begegnen – eine beunruhigende Vorstellung.
Die gängigen Leitplanken können einen Riesen-LKW mit seinen 60 Tonnen Gewicht bei einem Unfall nicht zurückhalten. Will man den gegenwärtigen Sicherheitsstandard auf unseren Straßen beibehalten, wäre ein Austausch sämtlicher Leitplanken notwendig. Eine Maßnahme, die auch die Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen für „wirtschaftlich nicht vertretbar“ hält.
Die heute vorhandenen LKW-Stellflächen auf Rastplätzen sind nicht für Gigaliner ausgelegt. Die Parkplätze sind für eine Länge von höchstens 18,75 Metern geeignet, der maximalen Länge eines konventionellen LKW. Ein Gigaliner ist aber 6,5 Meter länger. Um die Parkplätze Monstertruck-tauglich zu machen, wäre ein Ausbau sämtlicher europäischer Rastplätze notwendig.
Bereits heute gibts es zu wenig Stellflächen für normallange LKW. Für Riesen-LKW sind die vorhandenen Parkflächen zu kurz.
Wie hoch die Kosten wirklich sein werden, die die Riesen-LKW verursachen, kann heute noch keiner genau sagen. Klar ist nur, dass es sich um viele Milliarden handelt. Und wer soll das alles bezahlen? Die Steuerzahler. All diese Kosten soll die Allgemeinheit tragen, damit ein paar Großspediteure ihren Profit maximieren, nach dem Motto: Gewinne privatisieren, Kosten sozialisieren.
Noch gar nicht enthalten in all diesen Überlegungen sind die so genannten Externen Kosten. Darunter verstehen Experten die Folgekosten des Verkehrs – durch Unfälle, Lärm, Luftverschmutzung, Klimawandel – die nicht von den Verursachern selbst getragen werden, sondern von der Allgemeinheit in Form von Steuern und Krankenkassenbeiträgen. Das Forschungsinstitut INFRAS hat berechnet, dass der LKW-Verkehr im Jahr 2005 in Deutschland mehr als 11,5 Milliarden Euro Folgekosten verursacht hat. Das sind fast 39 Euro für 1000 Tonnenkilometer (Tonne x Kilometer). Zum Vergleich: Der Güterverkehr auf der umweltfreundlichen und sicheren Schiene verursacht nur ein Viertel der Kosten für den gleichen Transport. Wenn Gigaliner dazu führen, dass Verkehr von der Schiene auf die Straße verlagert wird, steigen auch die externen Kosten des Güterverkehrs. Kosten, die wir alle zahlen.
Klar ist: Wenn jedes Verkehrsmittel für die Kosten aufkommen müsste, die es verursacht, wären Monstertrucks schnell vom Tisch.