Die große Mehrheit der Bürger lehnt die Zulassung von Riesen- LKW ab.
14.05.09. Das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) hat erstmals wissenschaftlich belastbar nachgewiesen, dass die Einführung von überlangen und schweren Lkw klimaschädlich wäre. Anders als frühere Studien wählte das ISI einen theoretisch-dynamischen Ansatz, der deutlich über die räumlich begrenzten Feldversuche hinaus ging. Die Forscher stellten fest, dass eine EU-weite Zulassung der Riesen-Lkw zu beträchtlichen Verkehrsverlagerungen auf die Straße führen würde. Auf dieser Basis errechneten sie die langfristig negativen Klimawirkungen eines „Konzepts Mega-Trucks“. „Wir erfahren jetzt aus berufenem Munde, was wir schon immer vermutet haben“, sagte Martin Roggermann, Koordinator der europaweit agierenden Kampagne „No Mega Trucks!“.
Die Autoren der ISI-Studie kommen zu dem Ergebnis, dass überlange Lkw nur kurzfristig ein Potenzial zur Reduktion von Treibhausgasen und Luftschadstoffen bieten. Durch die mit zu betrachtende Verkehrsverlagerung werden die CO2-Einsparungen jedoch „bald überkompensiert, so dass eine negative Klimabilanz entsteht". „Je größer der Lastwagen, desto weniger CO2: Für uns war das schon immer eine Milchmädchenrechnung", sagte Kampagnen-Leiter Roggermann. „Das Scheinargument, dass Mega-Trucks die Umwelt schonen, war von Anfang an vorgeschoben. In Wirklichkeit geht es darum, Marktanteile für den Straßengüterverkehr zurückzugewinnen." Das Fazit der ISI-Studie lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Die Ergebnisse legen „den Schluss nahe, das Konzept Mega-Truck sowohl aus Umwelt-, Klima- und Sicherheitsgründen abzulehnen", schreiben die Wissenschaftler.
Gigaliner verbilligen den Transport auf der Straße. Der LKW-Verkehr wächst zusätzlich, die Emissionen mit.
Erst im Januar hatte die Europäische Kommission eine in Fachkreisen umstrittene Studie zum Thema Riesen-Lkw vorgelegt, die zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen war: Trotz negativer Bilanzen in den Bereichen Umwelt, Verkehr und Sicherheit, wäre der Mega-Truck unter dem Strich doch zu befürworten. „Wissenschaftlich war das Mumpitz, aber für uns sieht es danach aus, als wollten die EU-Bürokraten die Öffentlichkeit schon mal vorbereiten, dass die Monster doch demnächst losrollen", sagte Roggermann und forderte die EU-Verkehrsminister auf, nicht „irgendwelchen Pseudoargumenten auf den Leim zu gehen".
Diverse Studien in Deutschland hatten zuvor bereits ergeben, dass bei der flächendeckenden Einführung von überlangen 60-Tonnern mit Verlagerungen vor allem zu Lasten der Schiene zu rechnen sei: Im kombinierten Verkehr sind das Rückgänge von bis zu 55 Prozent. „Wenigstens kann jetzt kein Politiker mehr sagen, Mega-Trucks schonen die Umwelt. Das ist ein für alle Mal widerlegt", sagte Roggermann.