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Die Bürger sind gegen Gigaliner

Demonstration gegen Gigaliner

Die große Mehrheit der Bürger lehnt die Zulassung von Riesen- LKW ab.

 

Spediteure und Fahrer wollen keine Gigaliner

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Riesen-Lkw spaltet die Lkw-Branche

Spediteure und Fahrer wollen keine Gigaliner

Ein Riesen-Lkw beim Rückwärts fahren

07.03.2011. Während das deutsche Bundesverkehrsministerium gegen das Nein der Mehrheit der Bundesländer an Gigaliner-Testfahrten festhält, fehlt dem Vorhaben sogar in der Lkw-Branche zunehmend der Rückhalt. Die Gewerkschaft Verdi, die viele Lastwagenfahrer vertritt, und Spediteure kritisierten das Konzept Riesen-Lkw als mittelstands- und arbeitnehmerfeindlich. „Keiner in Deutschland will den Monstertruck - nur eine Handvoll Großspeditionen und ein paar Hersteller“, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, am Freitag in Berlin.

Die stellvertretende Verdi-Bundesvorsitzende, Andrea Kocsis, warnte davor, dass die Arbeitsbelastung der Lkw-Fahrer durch den Einsatz von überlangen Lastwagen weiter steigen werde. „LKW-Fahrer haben eine hohe Verantwortung. Schon heute ist der Druck riesengroß. Mit dem Gigaliner noch einen oben drauf satteln zu wollen, ist fahrlässig“, sagte Kocsis. Um den Arbeits- und Gesundheitsschutz sei es in der Transportbranche nicht zum Besten bestellt. Der enorme Preisdruck im Straßengüterverkehr führe schon jetzt dazu, dass Fahrer systematisch zur Selbstausbeutung gezwungen seien. „Wenn das Bundesverkehrsministerium von den Riesen-Lkw mehr Effizienz erwartet, ist das eine Effizienzsteigerung auf den Knochen der Fahrerinnen und Fahrer“, bilanzierte Kocsis.

Auch Spediteure übten Kritik am Kurs des Verkehrsministeriums. „Der Gigaliner ist mittelstandsfeindlich“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter der Spedition Paneuropa Rösch, Jürgen Muhle. Innerhalb der Branche werde es einen harten Verdrängungswettbewerb zwischen großen und mittleren Speditionen geben. Sein Unternehmen habe für umweltfreundlichen Transport schon mehrfach Umweltpreise gewonnen, etwa indem Paneuropa Rösch seine Kühl-Lkw die lange Strecke auf der Schiene zurücklegen lässt. „Mit den Riesen-Lkw-Testfahrten schlägt die Politik die genau entgegengesetzte Richtung ein: Wer Straße und Schiene verknüpft hat, der fühlt sich jetzt verschaukelt“, sagte Muhle.

Olaf Krüger, Vorstandsvorsitzender der Interessengemeinschaft der Bahnspediteure (IBS) beklagte, dass der Gigaliner-Testlauf die Verkehrsträger Straße und Schiene gegeneinander ausspiele anstatt an ihrer Verknüpfung zu arbeiten. Krüger rechnete vor, dass flächendeckend betriebene Riesenlastwagen den Straßentransport um 25 Prozent verbilligen würden. Auch für den Einzelwagenverkehr auf der Schiene sei dies existenzbedrohend. „In den Niederlanden und in Dänemark gibt es keinen Einzelwagenverkehr mehr. Dafür fahren Riesenlastwagen flächendeckend im Echtbetrieb.“

Die Allianz pro Schiene kritisierte, dass der bahnfeindliche Riesen-Lkw vom Steuerzahler teuer bezahlt werden müsse. „Unsere Infrastruktur ist für überlange Lastwagen nicht geeignet“, sagte der Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Flege. Kreisverkehre, Parkplätze und Bahnübergänge seien nicht auf 25 Meter ausgelegt, Tunnel müssten an die höhere Brandlast angepasst werden, sagte Flege. „Einige wenige Profiteure wollen uns weismachen, dass längere Lkw effizient, umweltfreundlich und sicher seien. Doch das Gegenteil hat sich inzwischen sogar in der Straßengüterverkehrsbranche herumgesprochen: Gigaliner sind teuer, umweltschädlich und gefährlich.“

 



Spediteure skeptisch gegenüber Riesen-Lkw

 

Carsten Hemme, Geschäftsführer der Spedition Paneuropa-Rösch lehnt die Riesen-Laster ab. Sein Transportunternehmen fahre vorwiegend für den kombinierten Verkehr – liefert also Ware für den Bahn oder Seetransport. „Die Gigaliner würden zur Folge haben, dass wieder der Transport auf den Straßen gestärkt wird.“ Außerdem bezweifelt er, dass die Lang-Lkw beim Verladen und auf kleineren Straßen den nötigen Platz haben. 

 

Carsten Hemme (Paneuropa-Rösch - Vechta, Niedersachsen),
in Oldenburgische Volkszeitung, 06.01.2011.

 


Die Gigaliner machten zwar zusätzliches Ladevolumen möglich, aber das rechne sich nur aufinternationalen Routen mit langen Distanzen wie zum Beispiel zwischen Norddeutschland und Italien, meint Volker Bischoff von der Schwalmstädter Spedition Heidelmann. Problematisch hingegen seien die überlangen Lastwagen im innerstädtischen Verkehr, vermutet Bischoff, der sich bereits auf einer Fachmesse einen Gigaliner angesehen hat.

 

Volker Bischoff (Spedition Heidelmann – Schwalmstadt, Hessen),
in Hessisch Niedersächsische Allgemeine, 13.02.2011.

 


Gigaliner könnten sich nur rechnen, wenn die Fahrzeuge auch im Werksverkehr immer mit voller Auslastung eingesetzt würden, sagt Barton. Das könne etwa für eine große Firma wie Volkswagen im Verkehr zwischen den einzelnen VW-Standorten der Fall sein.

 

Joachim Barton (BWG Reimer - Malsfeld-Ostheim, Hessen),
in Hessisch Niedersächsische Allgemeine, 13.02.2011.

 


Nicht nur deshalb geht Gerald Penner, Mitglied in der Geschäftsführung der Spedition Streck in Lörrach, davon aus, dass das Interesse der Branche am Gigaliner eher gering sein dürfte: "Die Fahrzeuge sind nur für Unternehmen interessant, die die gesamte Lastwagenladung von einem Punkt zum anderen bringen." Das Zetreffe vor allem den Lieferverkehr zwischen verschiedenen Werken der Automobilindustrie und ihren Zulieferern. Für Speditionen, deren Lastwagen auf ihrer Route Ware bei mehreren Kunden aufnehmen und abladen, seien die sperrigen Gigaliner wenig attraktiv.

 

Gerald Penner (Spedition Streck – Lörrach, Baden-Württemberg),
in Badische Zeitung, 25.01.2011.

 


"Für unser Gebiet ist das weniger sinnvoll.“ Geeignet seien die riesigen Lkw „(…) nur, wenn man weite Strecken von Lager zu Lager über die Autobahn fährt und nicht, wie hier bei uns, über Bundesstraßen und durch kleine Orte.“

 

Dirk Varlemann (Spedition Varlemann - Diemelstadt-Wrexen, Hessen),
in Hessisch Niedersächsische Allgemeine, 25.02.2011.

 


„Feldversuche in einem stark fragmentierten Gebiet, in dem volumenstarke Transporte unterbrochen werden müssten, führen zu keinen neuen Erkenntnissen.“

 

Sprecher von DB Schenker, in Deutsche Logistik-Zeitung , 04.01.2011.

 


„Wir beschäftigen uns momentan nicht mit dem Thema“, betont Horst Limbach, im Continental-Werk Korbach verantwortlich für die Logistik. Die Infrastuktur, um die Gigaliner einzusetzen, sei nicht gegeben. Probleme gebe es etwa, wenn Riesenlaster bestimmte Bereiche des teils beengten Werks anfahren müssten.

 

Horst Limbach (Continental – Korbach, Hessen),
in Hessisch Niedersächsische Allgemeine, 25.02.2011.

 


Viessmann sieht derzeit keinen wirtschaftlichen Nutzen. „Wir sind mit Sattelzügen wesentlich flexibler.“

 

Dr. Hans-Ullrich Förster (Viesmann Heiztechnik – Allendorf, Hessen),
in Hessisch Niedersächsische Allgemeine, 25.02.2011.

 


Gigaliner machen für uns keinen Sinn“, sagt auch Markus Brass, Geschäftsführer der Brass-Gruppe (Medebach/Korbach). Er halte es für unmöglich, mit den Gigalinern zum Logistik-Standort am Korbacher Güterbahnhof und durch die vielen Kreisel der Kreisstadt zu kommen. „Wir werden da nichts investieren.“

 

Markus Brass (Brass-Gruppe - Medebach-Oberschledorn, Hessen),
in Hessisch Niedersächsische Allgemeine, 25.02.2011.